Dalton

Unterrichtskonzept

Die vier Grundprinzipien der Daltonpädagogik „Freiheit in Gebundenheit, Verantwortung, Selbständigkeit und Zusammenarbeit“ bilden die Leitlinien und den Rahmen für die Einführung von Daltonstunden am DBG. Die Grundlage bilden dabei der reformpädagogische Ansatz von Helen Parkhurst (Daltonplan of education) sowie die sehr erfolgreiche Praxis vieler niederländischer Schulen sowie ausgewählter Schulen in NRW (insbesondere das Gymnasium in Alsdorf – deutscher Schulpreisträger 2013).

Das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium setzt dabei in besonderer Weise seinen in §2 SchulG NRW festgeschriebenen Bildungs- und Erziehungsauftrag um:

„Die Schülerinnen und Schüler sollen insbesondere lernen,
1. selbständig und eigenverantwortlich zu handeln,
2. für sich und gemeinsam mit anderen zu lernen und Leistungen zu erbringen […]. Der Unterricht soll die Lernfreude der Schülerinnen und Schüler erhalten und weiter fördern. Er soll die Schülerinnen und Schüler anregen und befähigen, Strategien und Methoden für ein lebenslanges nachhaltiges Lernen zu entwickeln.“

In den Daltonstunden erhalten die Schülerinnen und Schüler die Freiheit, selbst zu entscheiden, wann, woran, mit wem und wie sie intensiv und eigenverantwortlich arbeiten. Diese Freiheit findet ihre Gebundenheit in den Lernplänen (= Daltonpläne), die in den einzelnen Fächern detailliert festlegen, was bis wann bearbeitet werden muss und welche Ergebnisse erwartet werden.

Konkret bedeutet dies, dass am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Neunkirchen seit dem Schuljahr 2015/16 alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5-9 täglich zweimal in Daltonstunden (= Selbsttätigkeitsstunden) frei wählen können, in welchem Fach, bei welchem Lehrer und mit welchen Schülerinnen und Schülern sie arbeiten möchten. Die Schülerinnen und Schüler können sich so ihre Lernzeit eigenverantwortlich und orientiert an den eigenen Bedarfen frei einteilen. Dazu erhalten sie in allen an den Daltonstunden teilnehmenden Fächern einen Lernplan für jeweils fünf Wochen, in dem das Lernpensum für den Dalton- wie auch für den Klassenunterricht aufgeführt ist. Dieses Unterrichtskonzept knüpft dabei eng an die bereits vertrauten Arbeitsweisen der Grundschulen an und entwickelt systematisch die Fähig- und Fertigkeiten der Schülerinnen und Schüler zu selbständigem und kooperativem Lernen in altersgemäßer Form weiter. Dabei werden die zentralen Kompetenzen von Selbständigkeit, Zeitmanagement, Verantwortung und Kooperation täglich weiterentwickelt und verbessert. Dieses veränderte Unterrichtskonzept führt zugleich auch zu einer veränderten Lehrerrolle in den Daltonstunden. Die Schülerinnen und Schüler erleben ihre Lehrer noch stärker in der Rolle der Lernberater, die in den Selbsttätigkeitsstunden mehr Freiraum haben, einzelne Schülerinnen und Schüler individuell zu beraten und zu fördern. Schülerinnen und Schüler können sich gezielt das Fach aussuchen, in dem sie etwa noch Fragen und Förderbedarf sehen, und auch die Lehrperson, die ihnen aus ihrer Sicht hierbei am besten helfen kann. Zudem haben die Schülerinnen und Schüler verstärkt die Möglichkeit, voneinander zu lernen, und dies auch jahrgangsstufen- und klassenübergreifend. Dies führt dauerhaft zu einem veränderten Miteinander und zu einer für alle Beteiligten deutlich entspannten Lern- wie Lehrumgebung.

Ziele

Das veränderte Unterrichtskonzept am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Neunkirchen umfasst insbesondere die folgenden Zielsetzungen:

  • Förderung der Selbsttätigkeit und Eigenverantwortung
  • Höhere Transparenz für Schüler wie Eltern hinsichtlich der Lerninhalte und der zu erreichenden Kompetenzen
  • Steigerung des Interesses am eigenen Lernprozess
  • Förderung von gemeinschaftlichem, kooperativem Lernen
  • Gezielte individuelle Förderung
  • Schaffung einer für alle Beteiligten entspannten Lern- und Lehrumgebung
  • Erziehung im Sinne der zentralen demokratischen Werte von Freiheit, Mündigkeit und Verantwortung (orientiert am Vorbild Dietrich Bonhoeffers)

Elemente des Unterrichtskonzepts

Daltonstunden ( = Selbsttätigkeitsstunden)

Während der Daltonstunden bearbeiten die Schülerinnen und Schüler die Aufgaben der Lernpläne, die sie von Ihren jeweiligen Fachlehrern erhalten haben. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden dabei selbst, ob sie die Aufgaben alleine oder mit einem Partner bearbeiten möchten, und sie suchen sich den Raum und den jeweiligen Lehrer aus. Die Daltonstunden finden zweimal täglich in der 5. und 6. Stunde statt, wobei ein Raumwechsel nach der 5. Stunde noch einmal möglich ist. Insgesamt stehen den Schülerinnen und Schülern am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium somit 10 Wochenstunden für individuelle Lernzeiten zu Verfügung, in denen sie außerhalb der sonstigen Bewertung Aufgaben in ihrem Tempo und nach ihren individuellen Bedürfnissen bearbeiten und erledigen können. Somit werden die Schülerinnen und Schüler von Anfang an in ihren individuellen Lernprozess mit eingebunden und sie lernen zunehmend Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen.

Lernpläne

In jedem Fach, das an Dalton teilnimmt, erhalten die Schülerinnen und Schüler einen Lernplan für eine jeweils 5-wöchige Daltonphase. Dieser Lernplan erhält nicht nur die Aufgaben, die die Schüler in der jeweiligen Lernwoche in den Daltonstunden bearbeiten sollen, sondern er bietet zudem einen sehr transparenten Überblick über den Inhalt der übrigen Fachstunden sowie eine detaillierte Auflistung der Kompetenzen, die die Schülerinnen und Schüler am Ende der jeweiligen Daltonphase erlernt haben sollen. Damit erhalten Schüler wie Eltern einen detaillierten Überblick über das Unterrichtsgeschehen im jeweiligen Fach sowie über die zu erreichenden Kompetenzerwartungen. Die jeweiligen Aufgaben für die Daltonstunden haben dabei nicht nur wiederholenden oder übenden Charakter, sondern verlangen zum Teil auch die erste Auseinandersetzung mit noch neuen Lerninhalten bzw. die Anwendung von gelernten Inhalten in einem neuen Kontext (zB. Projektarbeiten, Experimente, Transferaufgaben etc.). Dies geschieht bewusst, um die Schülerinnen und Schüler systematisch in ihrer Selbständigkeit zu fördern und um motivierende wie auch herausfordernde Lernarrangements zu gestalten. Die Daltonaufgaben bieten zudem die Chance einer wirklichen Differenzierung so bieten sogenannte „Bonusaufgaben“ leistungsstärkeren Schülerinnen und Schülern eine noch zusätzliche, häufig komplexere Auseinandersetzung mit den jeweiligen Lerninhalten des Faches. Grundsätzlich sind die Aufgaben immer gebunden an die jeweiligen festgelegten Inhalten und Kompetenzerwartungen des einzelnen Faches und sie orientieren sich an den vorgegebenen Kernlehrplänen bzw. schulinternen Curricula. Die Kontrolle der Lernaufgaben erfolgt dabei analog zum herkömmlichen Fachunterricht auf vielfältige Weise: zB. Einsammeln von Aufgaben, Besprechung bzw. Einbeziehung im Fachunterricht, Präsentation, Selbstkontrolle durch Lösungsblätter, Überprüfung im Rahmen von schriftlichen oder mündlichen Prüfungen bzw. Klassenarbeiten.

Daltonplaner

Der Daltonplaner ist das zentrale Planungsinstrument für unsere Schülerinnen und Schüler. Er dient nicht nur als Anwesenheitsnachweis für die Daltonstunden, sondern er dokumentiert den individuellen Lernprozess. Die Schülerinnen und Schüler planen mit Hilfe des Daltonplaners ihre individuelle Lernwoche in den Daltonstunden und dokumentieren, in welchem Fach welche Inhalte bearbeitet wurden. Am Ende jeder Daltonphase findet sich eine Selbstevaluation, mit deren Hilfe die Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Lernprozess, ihre Arbeitstechniken und erzielten Leistungen reflektieren und der jeweilige Klassenlehrer, sowie die Eltern unterschreiben die Eintragungen im Daltonplaner.
Der Daltonplaner bietet so Schülern, Lehrern und Eltern eine transparente Übersicht über den Lernfortschritt und er dient dabei zugleich als direktes und einfaches Kommunikationsmittel zwischen Schule und Elternhaus.

Tutorstunde

Die „Tutorstunde“ ist eine gebundene Daltonstunde beim Klassenlehrer. Sie findet jeweils freitags in der 6.Stunde statt. In dieser Stunde kontrolliert der Klassenlehrer die Daltonplaner auf Vollständigkeit und bespricht bei Bedarf den Lernprozess und das Arbeitsverhalten mit den einzelnen Schülerinnen und Schülern.

Lehrerräume und Raum der Stille

Die Daltonstunden finden in den offenen Lehrerräumen statt (= vorbereitete Lernumgebung). Zu Beginn eines Halbjahres erhält jeder Schüler eine detaillierte Übersicht über die offenen Räume, sowie über die zu Verfügung stehenden Fachlehrerinnen und Fachlehrer. In den Lehrerräumen können die Schülerinnen und Schüler fach- und jahrgangsübergreifend mit, und voneinander lernen. Die Kolleginnen und Kollegen stehen für individuelle Fragen, Beratung, Lernhilfen und intensive Förderung permanent zu Verfügung und sorgen dabei für eine konzentrierte und ruhige Lernatmosphäre
Der „Raum der Stille“ bietet die Möglichkeit, das Lernpensum in Einzelarbeit und in Ruhe zu bearbeiten. In diesem Raum darf nicht mit den Mitschülern gesprochen werden, sondern es herrscht absolute Ruhe. So eignet sich der „Raum der Stille“ insbesondere zur Vorbereitung auf Klassenarbeiten oder zum intensiven, eigenständigen Lernen.

Evaluation

Das neue Unterrichtskonzept wird in den ersten drei Schuljahren regelmäßig intern wie extern (= Universität Siegen) begleitet und evaluiert. Die Ergebnisse der Evaluationen werden in den Mitwirkungsgremien vorgestellt und analysiert.

Vernetzung

Seit Beginn des Schuljahres 2015/16 ist das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Mitglied im Netzwerk der „Dalton-Vereinigung Deutschland e.V.“ (siehe: http://dalton-education.eu) . Die Schule nimmt dabei an den regelmäßigen Netzwerktreffen und Kongressen teil und profitiert durch die enge Zusammenarbeit mit den anderen zahlreichen Daltonschulen von der Praxis und Erfahrung anderer Netzwerkmitglieder. Perspektivisch strebt das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in den nächsten Jahren eine Zertifizierung als offizielle „Daltonschule“ an.